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Leben in der Illegalität
Wie viele „Menschen ohne Papiere“ in der Bundesrepublik Deutschland und in Berlin leben, ist unklar. Umfang und Art nicht legaler Migration lässt sich nur schwer statistisch erfassen.

Klar ist: Menschen ohne Papiere* stellen einen Teil unserer Gesellschaft dar, leben aber in ständiger Angst, entdeckt zu werden. Ihre Migrationsgeschichten, insbesondere die Gründe,die zu einem Leben in der Illegalität führten, sind sehr unterschiedlich.Totalitäre Gesellschaftssysteme, wirtschaftliche Ausbeutung, soziale Ungerechtigkeit und Krieg treiben Menschen in die Flucht. In der Regel sind westliche Gesellschaften unmittelbar oder mittelbar an der Entstehung oder an der Aufrechterhaltung der entsprechenden Konflikte beteiligt. Das Nicht-Anerkennen dieser Fluchtgründe im deutschen Asylverfahren und die restriktiven Regelungen im Zuwanderungsgesetz bedeuten für Asylsuchende und MigrantInnen, dass sie in die Illegalität gedrängt werden.

Es gibt verschiedenste Ursachen für ein Leben in der 'Illegalität', zum Beispiel:
  • abgelehnte Asylanträge (inzwischen werden so gut wie keine Asylanträge mehr anerkannt)
  • abgelaufene Duldungen von Flüchtlingen aus Bürgerkriegsgebieten
  • Entzug des Aufenthaltrechts durch strafrechtliche Verurteilung
  • abgelaufene Visa
  • nicht erneuerte Arbeitsgenehmigungen
  • Verlust des Aufenthaltsrechts durch Scheidung
Trotz der unterschiedlichen Gründe der Menschen ohne Papiere für ein Leben in der Illegalität ist ihnen gemeinsam, dass sie durch die bestehende Gesetzeslage im Alltag vom Zugang zu Bildung, Arbeit und Gesundheitsversorgung ausgeschlossen und ausgegrenzt werden. Ein Leben ohne Papiere bedeutet konkret:
  • Recht auf medizinische Versorgung ist de facto nicht gewährleistet
  • keine legalen Erwerbsmöglichkeiten
  • kein Recht Wohnungen anzumieten
  • keine Sozialhilfe
  • kein Recht auf Schul- oder Kindergartenplätze
  • keinerlei staatsbürgerliche Rechte
  • erschwerter Zugang zu juristischer Unterstützung
  • ständig angewiesen sein auf die Unterstützung Anderer
  • immer mit der Angst zu leben, 'entdeckt' zu werden
  • jederzeit von Abschiebung bedroht zu sein.

* Wir sprechen von Menschen ohne Papiere oder Illegalisierten,
da der häufig verwendete Begriff »Illegale« nicht geeignet ist, die Lebenssituation dieser Menschen zu beschreiben. Illegal impliziert, jemand habe sich eines Verbrechens schuldig gemacht und sei kriminell. Tatsächlich aber besteht der einzige Gesetzesbruch im Übertreten der ausländerrechtlichen
Aufenthaltsbestimmungen. In anderen Sprachen gibt es weniger diskriminierende Begriffe (undocumented migrants, sans papiers, sin papeles etc.).