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Altes Medibüro - neuer Name

Altes Medibüro – neuer Name

Vor inzwischen fast zwanzig Jahren haben wir uns 1996 als „Büro für medizinische Flüchtlingshilfe Berlin“ gegründet. Seitdem hat sich viel verändert. Die Grenzen innerhalb Europas sind offener, die nach außen undurchdringlicher geworden. Mit den Migrationsentwicklungen haben sich auch unsere "Klientel" und unsere Arbeit verändert.

Der Begriff „Flüchtling“ hat schon immer nur einen Teil der Menschen beschrieben, die zu uns gekommen sind. Ausländische Studentinnen, die hier nicht ausreichend krankenversichert sind, wenn sie schwanger werden, Menschen, die als Tourist*innen eingereist und danach geblieben sind, Familienangehörige von legal hier lebenden Migrant*innen und andere ohne reguläre Krankenversicherung haben neben Flüchtlingen, deren Duldung oder Aufenthaltsgestattung ausgelaufen ist, schon immer unsere Unterstützung gesucht.

Sowohl intern als auch mit unseren Kooperationspartner*innen haben wir oft diskutiert, für wen wir uns zuständig fühlen oder nicht. Sind Flüchtlinge, deren Asylverfahren negativ beschieden worden ist, berechtigter unsere Hilfe in Anspruch zu nehmen als Migrant*innen, deren Visum abgelaufen ist und die in ihrem Herkunftsland keine Perspektive mehr sehen? Was ist mit Menschen aus Rumänien und Bulgarien, die jetzt hin und her reisen können, aber in vielen Fällen hier nicht krankenversichert sind?

Auch jenseits dieser Diskussion hat der Begriff „Flüchtling“ nicht selten falsche Erwartungen und Bilder geweckt. Zu uns kommen viele verschiedene Menschen, die oft nicht dem Klischeebild von Flüchtlingen entsprechen. Neben EU Bürger*innen, die seit der Öffnung der Grenzen innerhalb Europas in der Regel keine aufenthaltsrechtlichen Probleme mehr, aber viele sozialrechtliche Probleme haben, suchen viele Flüchtlinge, die in anderen EU Ländern angekommen sind, hier Unterstützung und eine Perspektive. Nach der Dublin-Reglung bleibt der zuerst betretene EU-Staat zuständig, aber in Ländern wie Griechenland oder Italien gibt es meist keine adäquate soziale Unterstützung und Gesundheitsversorgung. Da diese Menschen hier in der Regel nicht arbeiten und keine sozialrechtlichen Ansprüche geltend machen können, hat sich aufgrund der EU Migrationspolitk unsere Klientel erweitert.

„Hilfe“ bzw. Unterstützung wollen wir natürlich weiterhin im Rahmen unserer Möglichkeiten leisten. Die waren jedoch schon immer begrenzt. Oft können wir aufgrund begrenzter Spendengelder teure Operationen und Behandlungen nicht übernehmen. Der Begriff „Flüchtlingshilfe“ hat oft zu Missverständnissen und Frustrationen geführt, sowohl von Seiten der Patient*innen, als auch von Seiten verschiedener Kooperationspartner*innen. Er suggerierte offensichtlich die Existenz einer offiziellen Institution, die über Gelder und Stellen verfügt. Wir sind weiterhin eine Gruppe unentgeltlich und nebenberuflich engagierter Personen, die ohne das Netzwerk von ebenfalls unentgeltlich engagierten Ärzt*innen und anderen Kooperationspartner*innen praktisch nichts ausrichten kann.

Darüber hinaus ist Hilfe etwas, um das man bitten muss. Gesundheitsversorgung gehört zu den Menschenrechten, die unabhängig vom Aufenthaltsstatus für jede Person zugänglich sein sollte. Dafür engagieren wir uns politisch. Medizinische Versorgung sollte nie etwas sein, das aufgrund von Wohltätigkeit oder ehrenamtlicher Hilfe gewährt wird. Bis diese Forderung umgesetzt ist, wollen wir durch unseren neuen Namen unser Selbstverständnis und unsere Arbeit deutlicher machen. Dass wir diese praktische Arbeit tun müssen, ist ein Skandal und keine Ehre. Bis das hoffentlich irgendwann nicht mehr nötig sein wird, sind wir das

Medibüro Berlin - Netzwerk für das Recht auf Gesundheitsversorgung aller Migrant*innen