medibuero head image
Aktion+Fotos

Pressemitteilung

„Ich krieg mein Kind wo ich will!“

Aktion des Büros für Medizinische Flüchtlingshilfe am Weltfrauentag

8.3.2013 * 17 Uhr * Treffpunkt Weltzeituhr/Alexanderplatz * Schwangeren-Flashmob

Youtube-Clip zum Flashmob

Berlin-Brandenburg / Politik / Gesundheit / Weltfrauentag, 8.3.2013

Bunt verkleidete Schwangere (aller Geschlechter) haben am heutigen Weltfrauentag beim weltweit ersten Schwangeren-Flashmob mit Musik, Redebeiträgen und Performance auf die prekäre Lage nicht versicherter, schwangerer Migrantinnen aufmerksam gemacht und sich mit den betroffenen Frauen solidarisiert! „Keine Schwangerschaft ist illegal“, „Ich krieg mein Kind wo ich will“, aber auch „Ich treib ab wo ich will“ war auf den T-Shirts der Teilnehmenden zu lesen, die sich zum Ende der Aktion zu einem öffentlichen Geburtsvorbereitungskurs direkt neben der Weltzeituhr zusammenfanden.


Für die meisten Schwangeren ist es selbstverständlich, den Ort der Entbindung sorgfältig auszuwählen. Migrantinnen ohne Krankenversicherung können dies nicht: Sie haben keinen regulären Zugang zu professioneller Geburtshilfe und müssen unter sehr unsicheren Bedingungen entbinden. Kaum eine Frau kann die Entbindung aus eigenen Mitteln finanzieren.

In Berlin leben viele Menschen, die nicht krankenversichert sind und keinen Zugang zur Sozialversicherung haben. Neben Menschen ohne legalen Aufenthaltsstatus gehören dazu auch Migrant*innen aus den neuen EU-Ländern: Bürger*innen aus Rumänen und Bulgarien haben heute in der Regel zwar keine aufenthaltsrechtlichen Probleme, sie haben jedoch keinen regulären Zugang zum Arbeitsmarkt, und die gesundheitliche Versorgung ist problematisch. Die Zugangsmöglichkeiten zur Krankenversicherung oder zu Sozialleistungen sind schwierig, viele sozialrechtliche Fragen strittig. Das Medibüro setzt sich seit 1996 für den Zugang aller Menschen zur Gesundheitsversorgung unabhängig vom Aufenthaltsstatus ein und vermittelt Migrant/innen ohne Krankenversicherung an Arztpraxen und Krankenhäuser. Die Kosten für Medikamente oder stationäre Behandlungen werden teilweise durch Spendengelder gedeckt. Dabei ist das Medibüro darauf angewiesen, dass engagierte Ärztinnen und Ärzte sowie Krankenhäuser bereit sind, Behandlungen kostenlos oder zu reduzierten Kosten zu ermöglichen – beides ist begrenzt. Im Notfall darf zwar kein Krankenhaus eine Schwangere mit Wehen abweisen. Trotzdem führt diese Situation zu untragbaren medizinischen Risiken und sozialen Problemen. Bei Zwillingen, Komplikationen bei vorangegangenen Entbindungen, regelwidrigen Kindslagen oder falschem Plazentasitz oder auch nur bei Allergien können aufgrund von ausgebliebenen Voruntersuchungen lebensgefährliche Situationen für Mutter und Kind entstehen. Für Eltern ohne Aufenthaltsstatus ist zudem das Abholen der Geburtsurkunde mit Angst vor Abschiebung verbunden.


Die Einlösung des Rechts auf Gesundheitsversorgung kann und darf nicht Aufgabe und Verantwortung zivilgesellschaftlicher Initiativen sein. Die Problematik nicht versicherter schwangerer Migrantinnen zeigt erneut: Parallelstrukturen können keine gesundheitliche Versorgung gewährleisten. Politisch geht es darum, endlich den regulären Zugang zu Gesundheitsversorgung für alle zu ermöglichen und soziale Rechte durchzusetzen. Der heutige „Schwangeren-Flashmob“ ist der Auftakt einer Kampagne des Büros für Medizinische Flüchtlingshilfe gegen Abschottung und Illegalisierung, für gleiche soziale Rechte und medizinische Versorgung für alle! Mehr Informationen unter: www.medibuero.de.

Für Rückfragen wenden Sie sich bitte an: Silke van Dyk, Büro für medizinische Flüchtlingshilfe, 0176 2396729

     


Spendenkonto: Flüchtlingsrat Berlin e.V. | Bank für Sozialwirtschaft | BLZ: 10020500 | Kontonr.: 3260302 Stichwort: „medizinische Hilfe“ | Ihre Spende ist steuerlich absetzbar.