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Medibüro benötigt dringend Unterstützung durch weitere Ärzt*innen

Das Medibüro benötigt dringend die Unterstützung weiterer Ärzt*innen und Therapeut*innen!

Alle Menschen sollten das Recht auf eine medizinische Versorgung haben. Alle Menschen sollten, unabhängig ihres Aufenthaltsstatus die Möglichkeit haben, im Krankheitsfall zum Arzt gehen zu können. Leider ist dies in Deutschland nicht der Fall.

Menschen ohne legalen Aufenthaltsstatus haben faktisch keinen Zugang zur medizinischen Regelversorgung. Wenn sie beim Sozialamt einen Krankenschein beantragen, ist das Sozialamt nach § 87 Aufenthaltsgesetz (AufenthG) verpflichtet, die Ausländerbehörde zu informieren. Im schlimmsten Fall droht dann die Abschiebung. Geflüchtete, die im Asylverfahren sind oder geduldet werden, haben nach Asylbewerberleistungsgesetz (AsylbLG) nur Anspruch auf reduzierte medizinische Leistungen. Die dritte Gruppe von Migrant*innen ohne regulären Zugang zur Gesundheitsversorgung sind EU-Bürger*innen insbesondere aus den neuen EU-Ländern, die oft weder in Deutschland noch in ihren Herkunftsländern krankenversichert sind.

Während ein einheitlicher Rechtsrahmen für die europäischen Arbeits-, Dienstleistungs-, Waren-, Kapital- und Finanzmärkte geschaffen wird, stellt sich die sozialrechtliche Situation der innereuropäischen Migrant*innen in der Praxis als uneinheitlich und komplex dar.

Das Medibüro (Büro für medizinische Flüchtlingshilfe) Berlin verfolgt das Ziel, die medizinische Versorgung von Illegalisierten, Geflüchteten und Migrant*innen ohne Krankenversicherungsschutz auf pragmatischem und politischem Wege zu verbessern. Das Büro arbeitet seit 1996 als nichtstaatliches, selbstorganisiertes Projekt, in dem alle Mitarbeiter*innen unentgeltlich tätig sind.

Wir kooperieren mit einem Netzwerk von etwa 120 Ärzt*innen, Zahnärzt*innen, Hebammen, Psychotherapeut*innen und Physiotherapeut*innen im Berliner Raum. Während unserer zweimal wöchentlich stattfindenden Sprechzeiten vermitteln wir Patient*innen an Praxen weiter, die sich bereit erklärt haben, Behandlungen anonym und kostenlos durchzuführen. Kosten für Medikamente, orthopädische Hilfsmittel, Brillen, labortechnische Untersuchungen, bildgebende Verfahren etc. finanzieren wir über Spendengelder.

In Berlin gibt es immer mehr Menschen, die keinen Zugang zur medizinischen Versorgung haben und sich im Krankheitsfall an das Medibüro wenden müssen. In den letzten Monaten hatten wir zunehmend Schwierigkeiten, Patient*innen zu unterstützen, da die Notwendigkeit medizinischer Behandlungen häufig die Kapazität unseres Netzwerks übersteigt. Dabei haben wir nicht nur einen Mangel an Allgemeinmediziner*innen, vor allem der Bedarf an Fachärzt*innen ist höher als wir mit unseren Unterstützer*innen decken können. Insbesondere in den Fachgebieten der Psychiatrie, Zahn- und Augenheilkunde, der Dermatologie, psychologischen Psychotherapie und Neurologie wird dies deutlich. Aber auch bei anderen Beschwerden unserer Patient*innen stoßen wir regelmäßig an Grenzen und können selbst Personen mit z.B. akuten Schmerzen teilweise erst Tage bis Wochen später einen Termin vermitteln.

Wir befinden uns seit jeher in einem Zwiespalt: die Politik darf nicht aus ihrer Pflicht entlassen werden, eine Gesundheitsversorgung für alle Menschen, unabhängig ihres politischen Status, zu gewährleisten! Solange dies jedoch nicht stattfindet, versuchen wir für die Betroffenen eine Gesundheitsversorgung zu organisieren. Tatsächlich kann die Gesundheitsversorgung auf Basis zivilgesellschaftlicher, spendenfinanzierter Initiativen und kostenlosen Engagements von Ärzt*innen und Therapeut*innen nur eine Zwischenlösung darstellen, zumal eine ausreichende Prävention und Therapie hierdurch nicht gewährleistet werden kann. Denn trotz der beschränkten Möglichkeiten unserer Arbeit kommen jährlich ca. 1000 Personen in unsere Sprechstunde, die ärztliche Versorgung benötigen, aber strukturell aus der Regelversorgung ausgeschlossen sind.

Um unsere Vermittlungsarbeit weiterführen zu können, benötigen wir dringend weitere Unterstützer*innen im medizinischen Fachpersonal.

Ärzt*innen und Therapeut*innen, die Menschen ohne Aufenthaltsstatus behandeln, machen sich nicht strafbar. Sie sind auch nicht verpflichtet, Daten an die Ausländerbehörde weiterzugeben. Der Umfang der Mitarbeit bei uns, d.h. die Anzahl der Patient*innen, können kooperierende Ärzt*innen und Therapeut*innen entsprechend ihrer Kapazitäten bestimmen.

Wir zählen auf Eure Mithilfe! Bitte erzählt Ärzt*innen und Therapeut*innen aus Eurem Bekanntenkreis von uns oder nehmt einfach zu Eurem nächsten Arzttermin unseren aktuellen Brief für Ärzt*innen inklusive Flyer mit. Wenn Ihr von Ärzt*innen oder Therapeut*innen wisst, die interessiert an einer Mitarbeit sind, könnt Ihr uns auch gerne ihre Kontaktdaten schicken, so dass wir uns bei ihnen melden können. Offene Fragen und Details der Zusammenarbeit besprechen wir bei Interesse gerne in einem unverbindlichen Gespräch.

Vielen Dank im Voraus für eure Bemühungen!
Medibüro Berlin