Das Medibüro Berlin – Netzwerk für das Recht auf Gesundheitsversorgung aller Migrant*innen (bis Januar 2015 „Büro für medizinische Flüchtlingshilfe“) existiert seit 1996 als selbst organisiertes, nicht­staatliches und spendenfinanziertes Projekt. Seit der Gründung verfolgen wir als antirassistische Initiative das Ziel, die Gesund­heitsversorgung von illegalisierten Geflüchteten und Migrant*innnen auf politischem und pragmatischem Wege zu verbessern.

Praktische Arbeit

Das Medibüro hat sich seit der Gründung für einen staatlich finanzierten Zugang zu medizinischer Versorgung aller Menschen unabhängig von einer Krankenversicherung eingesetzt. Seit 2019 gibt es in Berlin nun die „Clearingstelle für nicht krankenversicherte Menschen“ der Berliner Stadtmission. Sie ist ein staatlich gefördertes Projekt mit einem nicht-staatlichen Träger, über das die medizinische Versorgung von Menschen ohne Krankenversicherung gewährleistet werden soll. Auch wird geschaut, ob es die Möglichkeit gibt, eine Krankenversicherung zu bekommen. Das ändert – trotz Kritik an der Ausgestaltung der Clearingstelle – die Arbeit des Medibüro: Wir bitten alle Patient*innen zuerst zur Clearingstelle zu gehen.

Migrant*innen, die bei der Clearingstelle der Stadtmission keine (ausreichende) Hilfe bekommen, können sich aber an uns wenden und wir vermitteln sie an Arztpraxen weiter, die sich bereit erklärt haben, Behandlungen anonym und kostenlos durchzuführen:

Wie bisher vermitteln wir an ein Netzwerk von kooperierenden Praxen, die kostenlos und anonym behandeln. Das Netzwerk besteht aus etwa 130 Ärzt*innen und Therapeut*innen im Berliner Raum. Kosten für Medikamente, orthopädische Hilfsmittel, Brillen, labortechnische Untersuchungen, bildgebende Verfahren etc. finanzieren wir über Spendengelder. Bei schweren und chronischen Erkrankungen, die einer Krankenhausbehandlung bedürfen, versuchen wir zusammen mit den behandelnden Ärzt*innen eine Lösung zu finden. Wir halten außerdem Kontakt zu verschiedenen Beratungsstellen, um auch bei rechtlichen und sozialen Fragen weitervermitteln zu können.

Eine Initiative wie das Medibüro war nie ein zuverlässiger Ersatz für eine Krankenversicherung. Die Gesundheitsversorgung auf Basis zivilgesellschaftlicher Initiativen und kostenlosen Engagements von Ärzt*innen und Therapeut*innen kann immer nur eine Zwischenlösung darstellen ­­­– zudem eine ausreichende Prävention und Therapie hierdurch nicht gewährleistet werden können. Die Einrichtung der Clearingstelle im Land Berlin ist ein erster Teilerfolg. Wir werden uns weiterhin dafür einsetzen, dass im Land Berlin die Versorgung nicht versicherter Migrant*innen über die Clearingstelle tatsächlich sichergestellt ist und die Versorgung auch langfristig sichergestellt wird: das „Projekt Clearingstelle“ kann nur der Anfang sein. Auch bleibt eine bundesweite politische Lösung das Ziel des Medibüros.

Broschüre zum 20-Jährigen 2016 (pdf)

Broschüre zum 10-Jährigen 1996 (pdf)
Politische Arbeit
Das Medibüro möchte der breiten Öffentlichkeit bewusst machen, dass vielen Menschen in Deutschland ihr Recht auf Gesundheitsversorgung verwehrt wird und fordert für dieses Problem politische statt ehrenamtliche Lösungen. Eine Gesundheitsversorgung auf Basis zivilgesellschaftlicher Initiativen und kostenlosen Engagements von Ärzt*innen und Therapeut*innen ist nicht mehr als ein Notbehelf. Der faktische Ausschluss vieler Migrant*innen aus dem gesetzlichen Gesundheitssystem ist politisch begründet. Hier erinnert das Medibüro beharrlich an die Aufgabe des Staates, das Menschenrecht auf Gesundheit zu achten und zu schützen statt es zu verletzen. Daher initiiert das Medibüro Kampagnen gegen Abschottung und Illegalisierung und schaltet sich mit Stellungnahmen und konkreten Vorschlägen in sozialpolitische Debatten ein.So initiierte das Medibüro die bundesweite Kampagne zur Abschaffung des Asylbewerberleistungsgesetzes, es hält Vorträge auf Tagungen und Workshops und beteiligt sich am Berliner Runden Tisch zum Thema „Gesundheitliche Versorgung von Migrantinnen und Migranten in besonderen Notlagen in Berlin“ (kurz: „Runder Tisch Flüchtlingsmedizin“).